Deutsche Bahn
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DB Systemtechnik präsentiert 500. Messradsatz

Ausrüstung von beliebigen Radsätzen ohne konstruktiven Eingriff möglich

(Minden/Berlin, 27.11. 2018) Die DB Systemtechnik hat am 20. November in Minden ihren 500. Messradsatz vorgestellt. Das neueste Modell eines Messradsatzes ist das Ergebnis einer über 40-jährigen konsequenten Technologieentwicklung.

Neue Technologie: keine mechanische Änderung am Radsatz notwendig
Die innovative Technologie macht die Ausrüstung von beliebigen Radsätzen mit Messtechnik ohne konstruktive Änderung möglich. Bisher war es notwendig zur Prüfung von Schienenfahrzeugen oder von Eisenbahnstrecken die erforderlichen Messradsätze durch eine Bohrung zu verändern. Diese war notwendig, um die Signalleitungen vom Sensor zum Messverstärker zu führen. Beim neuesten Modell wird diese Bohrung durch die neue berührungslose Signalübertragung vermieden. Das senkt Kosten und Zeitaufwand, um einen normalen Radsatz zu einem Messradsatz umzurüsten.


Hans Peter Lang sagte bei der Präsentation des 500. Messradsatzes: "Unsere Kunden müssen zukünftig nicht mehr zwingend zusätzliche Radsätze bereitstellen. Darüber hinaus unterstützt die neue Technik eine schnelle Zulassung“.



Kurzer Exkurs: Historie der Messradsätze:
Rad-Schiene Kräfte sind eine wichtige Messgröße bei der Zulassung von neuen und konstruktiv veränderten Schienenfahrzeugen. Auch für die Freigabe von neugebauten oder modernisierten Eisenbahnstrecken sowie deren regelmäßige Inspektion müssen diese Kräfte erfasst werden. Dies geschieht während des Fahrbetriebes und erfordert den Einsatz von Messradsätzen.

  • In den 50er Jahren wurde erstmals mit Dehnungsmessstreifen an

    Radsätzen gearbeitet. Diese Messungen waren aber sehr unpräzise. In den 70er Jahren erfolgte dann eine Signalübermittlung mit Hilfe von einem sogenannten Schleifringübertrager. Gerade bei Fahrten in Gleisbögen waren die Ergebnisse hier jedoch stark Fehler behaftet.
  • Etwa 10 Jahre später wurde das Welle-Radscheiben-Kombinationsverfahren eingeführt, das eine beachtlich hohe Messgenauigkeit erzielte. Unter anderem wurden jetzt nicht nur Messungen über die Radsatzwelle erfasst, sondern auch mittels Sensoren an den Rädern. Nachteil dieses Verfahrens war, dass anschließend regelmäßig aufwendige Prüfungen durchgeführt werden mussten, um sicherzustellen, dass bei den genutzten Radsätzen durch die Bohrung für die Signalleitungen keine Risse entstehen.
  • Seit 2014 entwickelten die Mindener daher eine induktiv arbeitende Telemetrie, die „berührungslos“ funktioniert. Die neue Technologie, die jetzt beim 500. Messradsatz angewendete wurde, ermöglicht Radsätze in unveränderten Form zu Messradsätzen umzugestalten. Eine Bohrung ist weder in Radsatzwellen noch in Rädern notwendig.


500 Radsätze: ein Zahlenspiel
Die bisherigen Radsätze haben bei ihren Messfahrten rund 30 Millionen Zugkilometer zurückgelegt. Damit fährt man rund 750mal um die Erde. Oder: Man könnte 10 ICE 4 nur mit Messradsätzen ausrüsten. Stellt man die Radscheiben der 500 Messradsätze hintereinander auf, sind es genau 1.000 Stück. Ein Messradsatz besteht aus 2 Rädern.