Artikel: Unterflur-Radsatz-Drehmaschine für mehr Fahrzeugverfügbarkeit
Die Herausforderung: Wenn der Radsatz die Flottenleistung bestimmt
Der Laufflächen-Zustand ist entscheidend für den ruhigen und sicheren Lauf von Radsatz, Fahrwerk und Fahrzeug. Wenn Maße wie Spurkranzdicke, -höhe oder Rundheit nach hohen Laufleistungen verschleißbedingt kritische Werte erreichen, muss das Radprofil korrigiert werden.
Am Standort Haltingen der DB Regio bedeutete das bislang: Tausch der Radsätze oder Überführung der Fahrzeuge in andere Werke wie Freiburg oder Ulm. Das kostete Zeit, band Ressourcen und reduzierte die verfügbare Flotte im Betrieb.
Mit steigenden Fahrzeugzahlen und wachsendem Druck auf die Verfügbarkeit wurde deutlich: Der Engpass liegt nicht im Fahrzeug selbst – sondern in der fehlenden Bearbeitungsmöglichkeit vor Ort.
Die Lösung: Radsatzbearbeitung direkt im Werk
Die Antwort ist konsequent: Radsatzbearbeitung muss dorthin, wo die Fahrzeuge sind. Mit der Installation einer Unterflur-Radsatz-Drehmaschine (URD) wird genau das in Haltingen Realität. Die Maschine misst und bearbeitet Radsätze im eingebauten Zustand direkt im Fahrzeug – präzise, effizient, ohne zusätzliche Tausch- und Transportvorgänge oder Überführungsfahrten. Was einfach und plausibel klingt, verändert in der Praxis den gesamten Werkstattprozess. Der Weg dahin führte über ein anspruchsvolles Infrastrukturprojekt, in dem die DB Systemtechnik die Federführung für die Planung der Anlage übernahm.
Der Ansatz: Gestaltung eines gesamthaften Produktionssystems
In enger Zusammenarbeit mit DB Regio begleitet DB Systemtechnik das Projekt seit 2022 – mit dem Anspruch, nicht nur Technik zu installieren, sondern eine funktionierende, integrierte Lösung zu schaffen. Denn eine URD entfaltet ihren vollen Nutzen erst dann, wenn sie nahtlos in Infrastruktur, Prozesse und Systeme eingebunden ist und ihre Leistungsmerkmale auf die örtlichen Produktionsanforderungen hin abgestimmt sind.
Unser Beitrag vom Konzept bis zur ersten Bearbeitung
Der Weg zur fertigen Anlage beginnt lange vor der ersten Nutzung.
Grundlagen schaffen
Zu Beginn wurde der Standort detailliert analysiert, unter anderem mittels 3D-Scan. Auf dieser Basis wurden Maschinenposition, Grubengeometrie und alle technischen Anforderungen so definiert, dass Maschine und Umgebung optimal zusammenpassen.
Die richtige Technik auswählen
In der Ausschreibung ging es nicht nur um eine Maschine, sondern um das Gesamtsystem. DB Systemtechnik entwickelte die technischen Anforderungen, strukturierte die Bewertung und begleitete die Vergabeentscheidung bis ins Detail.
Integration statt Insellösung
Eine URD bedarf sorgfältiger Spezifikation, Konfiguration und detaillierte Einbindung in das Produktionsumfeld: Umgebende Infrastruktur, Schleppfahrzeug, Krananlage, Medienanschlüsse und die Maschine selbst wurden durch Einbindung weiterer Gewerke zu einem abgestimmten System entwickelt. Auch die Integration in die IT-Systeme z.B. die datentechnische Anbindung an das SAP-System oder die Möglichkeit der Fernwartung musste spezifiziert, die Implementation begleitet und vor Inbetriebnahme getestet werden.
Wenn aus Theorie Praxis wird
Beim Hersteller wurde die Anlage nach Fertigung umfassend geprüft (sog. FAT – Factory Acceptance Test). In Haltingen folgten dann Montage, Inbetriebnahme, geometrische Prüfung und Kalibrierung sowie eine Messunsicherheitsuntersuchung. Mit dem anschließenden Probebetrieb zeigt sich, ob das Gesamtsystem voll funktionsfähig ist. Genau hier begleitet DB Systemtechnik eng den Standort und führt nun die entsprechenden Abnahmen und Freigaben durch.
Menschen machen den Unterschied
Technik allein reicht nicht. Deshalb wurde das Werkstattpersonal frühzeitig eingebunden und durch DB Systemtechnik gezielt geschult. Mehrere Bedienerschulungen stellen sicher, dass die Anlage vom ersten Tag an sicher und effizient genutzt werden kann und die Dreher ein gutes Basiswissen haben, auf das sie zurückgreifen können.
Technik und Prozesse im Zusammenspiel
Mit der neuen URD entsteht in Haltingen mehr als eine Maschine. Es ist eine neue, integrierte Instandhaltungs-Produktionseinrichtung für eine der wichtigsten Eisenbahnkomponenten wobei Dreher, Maschine und umgebende Infrastruktur ein System bilden.
Ergebnis: Aus Engpass wird Stärke
Mit der Inbetriebnahme der URD in 2026 erweitert sich das Werkstattportfolio grundlegend. Radsatzbearbeitung erfolgt direkt vor Ort. Überführungsfahrten entfallen, Reaktionszeiten sinken und die Werkstatt gewinnt deutlich an Attraktivität und Flexibilität. Was zuvor ein Engpass war, der die Flottenleistung begrenzte, wird zur Stärke des Standorts.
Mehrwert für DB Regio Haltingen
- Höhere Fahrzeugverfügbarkeit durch Bearbeitung vor Ort
- Entfall Überführungsfahrten und verringerte Stillstandzeiten
- Moderne, ergonomische und effiziente Arbeitsumgebung
- Nachhaltiger Kompetenzaufbau durch gezielte Schulungen
- Hohe Attraktivität für Drittkunden der Region
Fazit
Mit der neuen URD entwickelt sich Haltingen zu einem leistungsfähigen und zukunftssicheren Instandhaltungsstandort. DB Systemtechnik stellte dabei nicht nur das Know-how bereit, sondern sorgte dafür, dass Prozesse, Systeme und Menschen optimal zusammenspielen und trug so dazu bei, dass ein betrieblicher Engpass zu einer nachhaltige Stärke geworden ist.
Weitere Leistungen zu Werkstattsystemen, Maschinen und Anlagen zur Instandhaltung sind hier zu finden: Werkstattsysteme, Maschinen und Anlagen