Erfolgreiche Brems- und Abhängeversuche für modernisierte Doppelstockwagen der Bauart 752.8 

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    Im Rahmen der Modernisierung von Doppelstockwagen der Bauarten 752.0 und 752.6 zur neuen Bauart 752.8  wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge von  140 km/h auf 160 km/h angehoben. 

    Die modernisierten Fahrzeuge wurden dafür unter anderem mit modifizierten Drehgestellrahmen, Schlingerdämpfern sowie einer Mg-Bremse ausgestattet. 

    Bevor die modernisierten Fahrzeuge in den Einsatz gehen, ist eine Typgenehmigung nach dem 4.Eisenbahnpaket durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) erforderlich. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist der Nachweis, dass die Fahrzeuge die bremstechnischen Anforderungen einschlägiger und aktueller Regelwerke erfüllen.  

    Zu diesem Zwecke erhielt die DB Systemtechnik von der DB Fahrzeuginstandhaltung den Auftrag zur Durchführung einer bremstechnischen Prüfung.   

    Die Prüfung umfasst statische und dynamische Versuche, wobei letztere im Streckennetz der DB AG stattfinden. Da die Fahrzeuge zu diesem Zeitpunkt noch nicht über eine Typgenehmigung verfügten, musste im Vorfeld eine Probefahrtgenehmigung bei DB InfraGo und dem EBA erwirkt werden.    

    Messplatz im Innenraum _DBST
    Quelle: Dosto mit Abhängevorrichtung_ DBST

    Damit wird deutlich: Die Durchführung einer solchen Messkampagne verbindet technische Prüfung, betriebliche Planung, Sicherheitsbewertung und Zulassungsunterstützung. Damit die Kampagne durchgeführt werden konnte, mussten mehrere Fachbereiche von DB Systemtechnik ihr Knowhow bündeln:  

    • Ermittlung von Art und Umfang der für die IBG erforderlichen Nachweise durch Zulassungs- und Engineering-Expert:innen
    • Durchführung eines Risikomanagementverfahrens gemäß DB AG-interner Umsetzung der CRM-RA-Verordnung durch unsere Safety-Abteilung und anschließende Durchführung der Sicherheitsbewertung durch @ERC als unabhängige Bewertungsstelle (AsBo)   
    • Erwirken der Probefahrtgenehmigung und des Netzzugangs durch das EVU der DB Systemtechnik
    • Durchführen der bremstechnischen Prüfung durch die Versuchsabteilung “Bremse”  

    Die Koordination all dieser Aktivitäten sowie die Kommunikation mit dem Auftraggeber und allen beteiligten Stellen erfolgte durch die Projektleitung.   

    Abhängeversuche: Bremsverhalten unter realen Bedingungen prüfen 

    Ein zentraler Bestandteil der Messkampagne waren sogenannte Abhängeversuche. Sie dienen dazu, das Bremsvermögen eines Fahrzeugs unter realitätsnahen Betriebsbedingungen zu ermitteln. 

    Dosto mit Abhängevorrichtung_ DBST
    Quelle: DB Systemtechnik GmbH

    Dabei wird der zu prüfende Doppelstockwagen bei definierten Geschwindigkeiten bis zur vorgesehenen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h kontrolliert vom Messzug entkuppelt. Der Messzug besteht aus Lok, Messwagen und dem am Zugschluss eingereihten Prüffahrzeug. Wenn dieses bei voller Fahrt vom Messzug getrennt bzw. entkuppelt wird, bremst es selbsttätig und mit voller Bremskraft. Die installierte Messtechnik zeichnet dabei relevante Signale wie Geschwindigkeit, Verzögerung und Bremskraft auf. Nach dem Stillstand des Prüffahrzeugs hält der Messzug an, fährt zurück und kuppelt den Wagen wieder an. Anschließend folgt der nächste Abhängeversuch. 

    Nachdem eine hinreichende Anzahl von Abhängeversuchen absolviert wurde, kann aus den messtechnischen Aufzeichnungen das Bremsvermögen abgeleitet werden, das eine wichtige Größe für den späteren Einsatz des Wagens im Fahrgastbetrieb darstellt.  

    Gleitschutzprüfungen – ein weiterer Bestandteil bremstechnischer Untersuchungen 

    Darüber hinaus wurde auch die Leistungsfähigkeit des Gleitschutzes untersucht. Dafür wird während der Bremsung gezielt eine Seifenlösung vor die Räder gesprüht. Dadurch verlängert sich der Anhalteweg gegenüber einer Bremsung auf trockener Schiene. Aus dieser Differenz lässt sich die Leistungsfähigkeit des Gleitschutzes ableiten. 

    Fazit: Abhängeversuche gehören zu den betrieblich und sicherheitstechnisch besonders anspruchsvollen Prüfverfahren im Bahnbereich. Die kontrollierte Entkupplung eines Prüffahrzeugs während der Fahrt erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, eine präzise betriebliche Durchführung und ein konsequentes Sicherheitsmanagement. Ziel ist es, Risiken für Personen, Fahrzeuge und Infrastruktur von Beginn an zu minimieren. 

    Interdisziplinäre Kompetenz für komplexe Fahrzeugprojekte  

    Durch die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche und die jahrzehntelange Erfahrung mit anspruchsvollen Messkampagnen konnte DB Systemtechnik die Brems- und Abhängeversuche sicher, effizient und aus einer Hand umsetzen.